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EU weit offenes Verhandlungsverfahren mit Bewerbung 2014

Neue Räume für eine zeitgemäße Kultur der Meinungsfindung
„Demokratie ist die Chance, den Staat zu vermenschlichen“

Ein politisches, lebendiges Gebäude verhandelt die Fragen der Demokratie nicht versteckt in dunklen Katakomben unterhalb historischer Säle, sondern bietet Räume an, in denen sich eine zeitgemäße Verhandlungskultur ruhig, selbstbewusst und stolz nach außen zeigt. Prozesse die öffentlich sichtbar sind funktionieren anders, als Handlungen die intransparent im stillen Kämmerchen ablaufen. Für den Menschen bauen bedeutet für uns, keine weiteren Räume für eine hierarchische Repräsentation zu planen. Die gibt es im bestehenden Haus bereits. Wir möchten Orte anbieten, an denen Begegnungen und Auseinandersetzungen auf Augenhöhe stattfinden können.

In unserem Entwurf ist der Prozess der Meinungsfindung, der Raum für informelle Gespräche aber auch die Verhandlungsmöglichkeit in unterschiedlichster Zusammensetzung der Kern des neuen Parlamentes. Und dieser Kern wirkt nach außen und innen. In Zusammenspiel mit dem stolzen, bestehenden Gebäude.

Theophil Hansen sah in seinem Entwurf vor, unterschiedliche Funktionen in jeweils eigenen Baukörpern unterzubringen. Das gesamte System ist additiv und modular aufgebaut. Wir nehmen den bestehenden Trakt Nationalratssaal heraus und setzen die Kommunikationsräume des Hauses neu hinein. In diesem Modul werden alle Phasen des Gesetzgebungsprozesses  gebündelt.  Es entsteht eine Konzentration der relevanten Umbaumaßnahmen auf die Bereiche, die hoch genutzt werden und auch die meisten Defizite aufweisen. Die Räume erhalten Bezug nach außen zum Park, Licht fließt dreiseitig in das neue Modul.

Bauen für die Demokratie

Wir haben die Ausschreibung gelesen. Klein ausgedruckt und in einen dicken Ordner gepackt, immer wieder. Eigentlich ist in diesem viele hundert Seiten starke Kompendium ja schon alles gedacht, die Nutzung von Solarenergie, die erlaubten minimalen Eingriffe in die denkmalgeschützte  Gesamtsubstanz, der Wunsch der Denkmalschützer, dass möglichst alles so bleibt wie es ist und nur nichts sichtbar wird. Was also anbieten?

Uns hat im Entwurfsprozess ein Gedanke von Carlo Smidt – den großen deutschen Staatsrechtler -  begleitet. „Demokratie ist die Chance, den Staat zu vermenschlichen“.  Für den Menschen bauen bedeutet für uns, keine weiteren Räume für eine hierarchische Repräsentation zu planen. Die gibt es im bestehenden Haus bereits. Wir möchten Orte anbieten, an denen Begegnungen und Auseinandersetzungen auf Augenhöhe stattfinden können.

Ein politisches, lebendiges Gebäude verhandelt die Fragen der Demokratie nicht versteckt in dunklen Katakomben unterhalb historischer Säle, sondern bietet Räume an, in denen sich eine zeitgemäße Verhandlungskultur ruhig, selbstbewusst und stolz nach außen zeigt. Prozesse die öffentlich sichtbar sind funktionieren anders, als Handlungen die intransparent im stillen Kämmerchen ablaufen.

Oder wie Günter Behnisch meinte: „Macht ist heute dezentral, in der Regel nicht absolut einerseits, aber auch weniger klar erkennbar andererseits.“ In unserem Entwurf ist der Prozess der Meinungsfindung, der Raum für informelle Gespräche aber auch die Verhandlungsmöglichkeit in unterschiedlichster Zusammensetzung der Kern des neuen Parlamentes. Und dieser Kern wirkt nach außen und innen. In Zusammenspiel mit dem stolzen, bestehenden Gebäude.

Denkmalverträglichkeit

Theophil Hansen sah in seinem Entwurf vor, unterschiedliche Funktionen in jeweils eigenen Baukörpern unterzubringen. Das gesamte System ist additiv und modular aufgebaut. Diesen Gedanken greifen wir im vorliegenden Entwurf auf, und stellen die Frage: „Was würde Hansen tun?“. „Welches Designset würde er aus seinem reichhaltigen Repertoire  wählen, um auf die aktuellen Bedürfnisse zu reagieren?“.

Wir sind der Meinung,  er würde aus dem Modulkasten den entsprechenden Bauteil austauschen. Es entsteht eine Konzentration der relevanten Umbaumaßnahmen auf die Bereiche, die hoch genutzt werden und auch die meisten Defizite aufweisen, gleichzeitig können damit andere Bereiche entlastet werden.

Der Bauteil „Herrenhaus-Nationalratssaal“ wurde nach Beschädigung im 2. Weltkrieg überformt und neu gestaltet.In diesem Bereich gibt es allerdings momentan aufgrund der heutigen Anforderungen die meisten funktionalen und inhaltlichen Defizite:
Problematische Erschließungswege, zu kleine Couloirs, fehlende Neben- und Besprechungsräume, kein Bezug nach außen, mangelnde Barrierefreiheit und schlechte Sichtbezüge für die Besucherränge sind unserer Ansicht nach  mit einem Umbau des Bestands nicht zu korrigieren.

Daher sieht unser Entwurf einen Komplettumbau dieses Bauteils Nationalratssaal vor. Konzentriert auf dieses Modul können die funktionalen Mängel und fehlenden räumlichen Angebote in ihrem Kern  gelöst werden. Als neues Herz des Hauses wird der  Nationalratssaal mit seinen angeschlossenen Lokalen in die bestehende Struktur von  Hansen wie ein neues Uhrwerk eingesetzt. Das bestehende Gebäude nimmt neues auf und fasst es mit seiner historischen Fassade.

Der Nutzungs- und Veränderungsdruck auf die anderen Bereiche des Hauses  verringert sich dadurch stark. Der Bestand kann mit relativ geringem Umbauaufwand weiter gut funktionieren. Ein Teil des dafür vorgesehen Budgets wird frei.

ARGE gemeinsam mit Hoppe Architekten, KPPK, IB Süd und Zentraplan