GMOA Keller
Das Wirtshaus in Wien 3
Die altehrwürdige seit 1858 bestehende, Wirtshausinstitution GMOA Keller wurde bis dato immer nur unmerklich sanft  adaptiert und wird gerade wegen dieses authentischen Charmes geliebt. Die Zeit scheint stehen geblieben zu sein. Die Geschäfte gehen gut, Publikum und Künstler der nahegelegenen Kulturinstitutionen Konzerthaus und Akademietheater sorgen für volle Tische. Daher entschließt sich der Betreiber das Lokal um ein Untergeschoß zu erweitern. Unsere Antwort ist ein zeitgemäßer, unaufgeregter Gastraum, der Gäste am weiß gedeckten Tisch einlädt, die exzellente Wiener Küche zu entdecken und Wein zu genießen, der Stammgästen am Wirtstisch und am klassischen Resopaltisch Platz zum Biertrinken gibt. Mit wenigen Handgriffen adaptiert man den Raum für Veranstaltungen. Jeder Schnickschnack wird vermieden, das Ziegelgewölbe weiß getüncht, Kellerromantik ist hier fehl am Platz. Klassische Wirtshäuser kommen ohne Lüftungsrohre aus. Die Lüftungsnotwendigkeit des unterirdischen Raumes ist daher hier für den Gast unsichtbar installiert.

Holzboden und Vertäfelung sind dunkel gebeizt. Auf einer Theatervorhangschiene fahrend kann der Vorhang den Raum zonieren und das große Gewölbe mit Nischen gliedern. Die Tische mit einem Maß von 60x60cm ermöglichen auch während eines Abends ein rasches Reagieren auf die aktuellen Wünsche der Gäste. So ist im laufenden Betrieb ohne Probleme kurzfristig beides parallel und fließend möglich: große unangemeldete Gruppen und das romantische Abendessen zu Zweit.

Klassisch sind an der Lamperie die Leuchten montiert. Die Schirme dieser Armleuchten tanzen über den kleinen Tischen und geben dem Gast im großen Raum die nötige Privatheit. Und wird die Leuchte nicht gebraucht ist sie rasch weggeschwenkt, der Raum in seiner ganzen Größe nutzbar.
 
 

Welche Qualitäten und Stimmungen muss ein Restaurant für Sie haben?
Wir mögen Orte die wie ein guter Wein nicht nur vordergründig sind sondern auch beim zweiten, dritten Mal interessant sind und über die Zeit besser werden also gut altern. Und das Geschehen findet am Tisch statt. Gutes Restaurantdesign geht also von diesem Tisch aus, unterstreicht diese individuelle, besondere Begegnung.

Welche Elemente schaffen eine kommunikative Atmosphäre?
Ausgehen ist kommunizieren. Intim zu zweit aber auch mit den anderen Gästen.  Daher ist die Größe des Tisches so wichtig. Kompakt wie in der italienischen Trattoria oder üppig beim amerikanischen Bankett. Und dann die Persönlichkeit des Wirtes und wie er die Gäste platzier. Im neuen GMOA Keller kann er zum Beispiel mehrmals am Abend die Tische neu gruppieren. Dann die Inszenierung der Orte wo man mit Unbekannten in Kontakt kommt. Beim Rauchen an der Schank, vor der Toilette, beim letzten Schnaps am Stehtisch.

Wie reguliert man in einem Restaurant die Akustik?
Im GMOA Keller passiert das zum Beispiel unaufdringlich über die  Lamperie den Holzboden und einen Vorhang der dem Raum Atmosphäre gibt und unterschiedliche Raumzonierungen ermöglicht. Also mit Zutaten die wir sowieso benötigen.

Was war Ihnen bei dem Entwurf für den „Gmoa Keller“ am wichtigsten?
Der GMOA Keller besteht seit 1858. Wir verwenden das vorgefundene Repertoire des traditionellen Wirtshauses und geben eine zeitgemäße Antwort.

 

Fotos: Hertha Hurnaus