Fernsehsender W24
1.500m2 Redaktion & Studios

Das Wiener Stadtfernsehen W24 mauserte sich im letzten Jahr zu einem ambitionierten Sender mit redaktionellem Anspruch. W24 macht jetzt Fernsehen das unverkrampft ernsthaft und freundlich auf die Stadtbewohner zugeht. Solch eine inhaltliche Neupositionierung fordert und verändert das daran arbeitende Team. Es braucht neue Orte, an denen dieses Programm gedacht und produziert wird. Vorgefunden hatten wir ein altes Industrieloft mit ungenutztem Potential. Jeder Mitarbeiter hatte sich mit provisorischen Mitteln seinen eigenen privaten Rückzugsraum geschaffen. Ein gemeinsames Fernsehformat war an diesem Ort schwer zu entwickeln.

Sue betreute den W24 Relaunch architektonisch und war frühzeitig in den Prozess der Veränderung integriert. Zu Beginn moderierten wir einen Workshop mit der gesamten W24 Belegschaft unter aktiver Beteiligung der Geschäftsführung. In dieser Veranstaltung entstanden - auf vielen Flips skizziert - die Anforderungen der Redaktion an ihre neues zu Hause. Die Grundfrage dabei lautete: Was brauchen die neuen Räumlichkeiten, um gemeinsam ein unverstaubt wienerisches Programm entstehen zu lassen? Die individuellen Wünsche dieses jungen ambitionierten Teams waren durchaus heterogen. Doch eines wurde von allen gleichermaßen gewünscht: Reichlich Raum für intensiven Austausch, und gleichzeitig Rückzugsmöglichkeiten für konzentriertes Arbeiten am eigenen Projekt.

Entstanden ist nun auf 1.500m2 ein Loft mit zentralem „Dorfplatz“, auf dem sich das gesamte Team zu den Redaktionssitzungen trifft, an dem Meetings stattfinden und gemeinsam Ideen entstehen. Treffpunkt und emotionales Zentrum an diesem Dorfplatz sind mehrere runde Arbeitstische mit maßgefertigten Schurwollteppichen und sondergefertigten Leuchten. Großzügig wohnlich und luftig fühlt es sich hier unter den Feigenbäumen an. Arbeitsinseln bieten den einzelnen Abteilungen und Aufgabenbereichen ihren klar definierten Ort.

Einzelne Einbauten – wir nennen sie „Häuser“ – strukturieren das Loft in übersichtliche Einheiten und gliedern den „Dorfplatz“. Sie bieten sich für die konzentrierte konzeptionelle Textarbeit oder für ungestörte Telefonate an. Auch die Buchhaltung sowie der Vertrieb und die Geschäftsführung finden hier im Zentrum der Kommunikation ihr zu Hause. Für die Teeküche ist ein eigenes Haus reserviert. Treffen, kochen, konzipieren, feiern und Livesendungen über den Bildschirm verflogen.

In der Konzeptionsphase hatten wir das W24 Team immer an gemütlichen Orten getroffen, die statt Hierarchie Kreativität und Direktheit ausstrahlten. Viele unterschiedliche Stühle wurden unkompliziert zusammengestellt, man traf sich in der Teeküche oder am Wirtshaustisch. Ausgehend von dieser Atmosphäre ist der zentrale, abdunkelbare Präsentationsraum mit einer Bestuhlung ausgestattet, die an solche Orte erinnert. Stühle, auf denen man sehr gut sitzt, und die direkte Gesprächskultur wie an Küchentischen ermöglichen.

Glaubwürdige Identitäten sind nicht aufgesetzt sondern werden in engem Dialog mit den Nutzern gefunden.


Fotos: Hertha Hurnaus